Wasserstoffhochlauf in Deutschland: Bundesrat richtet Forderungen an die Bundesregierung
Der Bundesrat hat am 08. Mai 2026 die Entschließung „Wasserstoffhochlauf in Deutschland entfesseln“ verabschiedet. Darin bewertet die Länderkammer die bisherigen politischen Bemühungen zum Aufbau der Wasserstoffwirtschaft grundsätzlich positiv, sieht jedoch erhebliche Herausforderungen bei der Umsetzung und fordert daher zusätzliche Maßnahmen der Bundesregierung.
Fortschritte beim Aufbau der Wasserstoffwirtschaft
Die „erfolgten Weichenstellungen auf europäischer und nationaler Ebene zur Etablierung einer Wasserstoffwirtschaft“ werden vom Bundesrat begrüßt. Dazu zählen insbesondere Förderprogramme für zentrale Transformationsprojekte in Industrie und Mobilität sowie die Nutzungserweiterung auf Kraftwerke. Auch der Aufbau des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes wird als wichtiger Meilenstein bewertet, da er eine großskalige Verbindung zwischen Anwendern und Erzeugern ermöglicht und die Zugänglichkeit von Wasserstoff fördert.
Gleichzeitig wird betont, dass neben dem nationalen Ausbau auch die internationale Anbindung entscheidend bleibt. Kooperationen mit anderen EU-Mitgliedstaaten sowie Initiativen wie H2Global sollen dazu beitragen, ausreichende Wasserstoffmengen über Importe für eine zukünftige Wasserstoffwirtschaft sicherzustellen.
Herausforderungen beim Markthochlauf
Trotz dieser Fortschritte sieht der Bundesrat weiterhin erhebliche Defizite – insbesondere bei der Wasserstofferzeugung – und benennt diese. Vor allem hohe Produktionskosten sowie bestehende regulatorische Vorgaben werden als zentrale Hemmnisse für den Markthochlauf identifiziert. Dadurch bestehe das Risiko, dass Investitionen verzögert werden, Projekte nicht in ausreichendem Umfang umgesetzt werden und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft leidet.
Kritisch bewertet werden insbesondere europäische Vorgaben im Rahmen der RED-II/RED-III-Richtlinien sowie zugehörige delegierte Rechtsakte der Europäischen Kommission. Diese enthalten Anforderungen an die Erzeugung von erneuerbarem Wasserstoff, etwa zur Zusätzlichkeit, Gleichzeitigkeit und räumlichen Nähe. Nach Einschätzung des Bundesrates erschweren diese Vorgaben eine wettbewerbsfähige Preisgestaltung, erhöhen die Investitionsrisiken und wirken sich negativ auf die Auslastung von Anlagen aus.
Forderung nach besseren Rahmenbedingungen
Der Bundesrat fordert die Bundesregierung daher auf, die Rahmenbedingungen für die heimische Wasserstoffproduktion deutlich zu verbessern und die Kosten nachhaltig zu senken. Wasserstoff müsse künftig wirtschaftlich in Industrie, Energieversorgung und Mobilität einsetzbar sein, um eine resiliente und unabhängige Energieversorgung in Deutschland zu gewährleisten.

Zur kurzfristigen Unterstützung spricht sich der Bundesrat dafür aus, bestehende Entlastungen für Elektrolyseure fortzuführen und weiterzuentwickeln. Dazu zählen unter anderem:
Darüber hinaus fordert der Bundesrat mehr Flexibilität in der Übergangsphase der Energiewende. Auch kohlenstoffarmer Wasserstoff sowie der temporäre Einsatz von Erdgas zur Dekarbonisierung sollen stärker berücksichtigt werden, um kurzfristige Engpässe zu überbrücken.
Zudem wird die Bundesregierung aufgefordert, kurzfristig eine nationale Wasserstoff-Speicherstrategie vorzulegen. Diese soll insbesondere Investitionen in Speichertechnologien absichern und langfristige wirtschaftliche Perspektiven für Betreiber schaffen.
Vorschlag für ein neues Fördermodell
Ein zentraler Vorschlag des Bundesrates ist die Prüfung eines neuen Förderinstruments, das marktwirtschaftliche Mechanismen mit staatlichen Absicherungen kombiniert. Ziel ist es, Finanzierungslücken beim Wasserstoffhochlauf zu schließen und Investitionen zu erleichtern.
Das Modell soll Produktion, Infrastruktur und Nachfrage stärker miteinander verbinden und so langfristige Liefer- und Abnahmebeziehungen ermöglichen. Durch eine Bündelung von Risiken und Absicherungsmechanismen könnte ein stabilerer Investitionsrahmen entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette entstehen. Damit soll ein koordinierter Aufbau eines funktionsfähigen Wasserstoffmarktes unterstützt werden.
Mit der Entschließung macht der Bundesrat deutlich, dass der Wasserstoffhochlauf aus Sicht der Länder weiter beschleunigt und wirtschaftlich abgesichert werden muss. Die Forderungen zeigen, dass insbesondere bei Wirtschaftlichkeit, Regulierung und Investitionssicherheit weiterer Handlungsbedarf besteht, den die Bundesregierung nun adressieren soll.