Die Niedersächsische Landesregierung hat in ihrer Kabinettssitzung den Nordwesten Niedersachsens offiziell als Net-Zero Valley „NetZero Nordwest Deutschland“ anerkannt. Grundlage des Beschlusses ist ein Antrag, der unter Federführung des Amts für regionale Landesentwicklung Weser-Ems gemeinsam mit regionalen Partnerinnen und Partnern erarbeitet und bei der Niedersächsischen Staatskanzlei eingereicht wurde.
Mit der Anerkennung setzt Niedersachsen ein klares Signal für die industrielle Transformation hin zur Klimaneutralität, stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und verbessert die Rahmenbedingungen für Investitionen, Innovationen und sichere Arbeitsplätze.
Rechtlicher Rahmen für die Anerkennung als Net-Zero Valley ist der europäische Net-Zero Industry Act (NZIA), mit dem die Europäische Union den Ausbau von Produktionskapazitäten für klimafreundliche Technologien in Europa gezielt beschleunigen und strategische Abhängigkeiten reduzieren will. Niedersachsen nutzt diesen europäischen Rechtsrahmen, um die regionalen Stärken zu bündeln und den industriellen Wandel aktiv zu gestalten.
Das „Net-Zero Valley Nordwest Deutschland“ umfasst acht Landkreise und drei kreisfreie Städte im Nordwesten Niedersachsens auf einer Fläche von rund 10.954 Quadratkilometern. Damit zählt die Region zu den größten zusammenhängenden Industrie- und Transformationsclustern für Netto-Null-Technologien in Deutschland.
Ministerpräsident Olaf Lies betont: „Mit dem Net-Zero Valley ‚NetZero Nordwest Deutschland‘ lenken wir den Fokus auf unsere industriellen Stärken, Niedersachsens Rolle als Energieland, eine leistungsfähige Infrastruktur sowie umfangreiche Flächenpotenziale und schaffen damit eine solide Grundlage für nachhaltige regionale Wertschöpfung. Der Nordwesten wird damit zu einer zentralen Drehscheibe für die Produktion klimaneutraler Technologien in Europa. Wir schaffen die Voraussetzungen für schnelle Genehmigungen, neue Investitionen und sichere Arbeitsplätze – und positionieren Niedersachsen im internationalen Wettbewerb klar als führenden Standort für industrielle Transformation.“
Die Region verfügt bereits heute über hervorragende Voraussetzungen für die Ansiedlung und den Ausbau von Netto-Null-Technologievorhaben. Dazu zählen:
Insgesamt wurden im Antrag 89 Potenzialflächen mit einer Gesamtgröße von rund 6.340 Hektar identifiziert, die für Neuansiedlungen und Betriebserweiterungen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus werden 155 potenzielle Projekte im Bereich der Netto-Null-Technologien mit einem geschätzten Investitionsvolumen von rund 35 Milliarden Euro benannt.
Das Net-Zero Valley verfolgt damit einen integrierten Ansatz, der ökologische, wirtschaftliche und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Neben Investitionen und Innovationen steht daher auch die Sicherung von Fachkräften im Fokus, unter anderem durch den Aufbau einer Regional Skills Partnership für Netto-Null-Technologien.
Ministerin Melanie Walter erklärt: „Mit ‘NetZero Nordwest Deutschland‘ schaffen wir in Niedersachsen einen Hotspot für klimaneutrale und industrielle Transformation im Herzen Europas. Dazu passend entwickeln wir mit der Regional Skill Partnership für NetZero-Technologien ein starkes Netzwerk, um Herausforderungen und Bedarfe des regionalen Arbeitsmarktes systematisch zu erheben, Qualifizierungslücken aufzudecken und Weiterbildungsangebote auf- und auszubauen. So werden Energiewende, regionale Wertschöpfung und Fachkräfteentwicklung optimal verzahnt – ein Gewinn für die Region, für Niedersachsen und für Europa.“
Im Sinne des NZIA konzentriert sich das Net-Zero Valley auf sechs zentrale Technologiefelder:
Auf der Hannover Messe sprachen Dr. Tim Husmann, Melanie Walter, Raphael Goldstein und Lutz Stührenberg über den NetZero industry act.
Bild: Niedersächsische Staatskanzlei
Durch diese Schwerpunktsetzung wird gezielt an die bestehenden Stärken der Region angeknüpft, um industrielle Wertschöpfungsketten weiterzuentwickeln sowie zusätzliche Investitionen zu mobilisieren.
Das Net-Zero Valley leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimaanpassung über die Region hinaus. Durch die gezielte Förderung und Sicherung europäischer Lieferketten für Netto-Null-Technologien werden zentrale Vorhaben der Energiewende unterstützt. Dies trägt zur Reduktion von CO₂-Emissionen bei und stärkt zugleich die Stabilität einer nachhaltigen Energieversorgung in Europa.
Im Rahmen des Anerkennungsverfahrens wurde zudem eine strategische Umweltprüfung durchgeführt. Die detaillierte umweltfachliche Bewertung einzelner Projekte erfolgt weiterhin im Rahmen der regulären Raumordnungs- und Genehmigungsverfahren. Dabei werden sämtliche Schutzgüter standort- und projektspezifisch geprüft. Die geltenden Anforderungen etwa aus dem Arten-, Natur-, Wasser- und Immissionsschutzrecht bleiben uneingeschränkt bestehen.
Die Anerkennung der Region als Net-Zero Valley bietet die einmalige Chance auf konkrete Verbesserungen für Unternehmen. Dazu gehören beschleunigte Genehmigungsverfahren für relevante Netto-Null-Technologieprojekte, die Einrichtung einer zentralen Kontaktstelle („One-Stop-Shop“) für Projektträger, die strategische Weiterentwicklung von Industrie- und Gewerbeflächen sowie perspektivisch neue Förderoptionen im Rahmen des künftigen Mehrjährigen Finanzrahmens der Europäischen Union etwa durch Instrumente wie einen European Competitiveness Fund. Zudem ist vorgesehen, mit Unterstützung der Landesregierung innovative Formate wie Reallabore und Praxischecks einzusetzen, um Planungs- und Genehmigungsprozesse sektorübergreifend weiter zu optimieren.
Mit der offiziellen Anerkennung, die am 4. Mai 2026 feierlich in Oldenburg gewürdigt werden wird, wird die Region Teil eines wachsenden europäischen Netzwerks regionaler Net-Zero Valley-Initiativen. Dies eröffnet zusätzliche Chancen für internationale Kooperationen, Investitionen und Wissensaustausch. Zugleich wird das Net-Zero Valley in die Standortvermarktung des Landes Niedersachsen integriert und gezielt international beworben.